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Liebe Anna, kennst du das…? — Dialekte vor der Haustüre oder auf der Straße

Montag, den 23. September 2013

Mail an: anna.dorb(ad)coldmail.com

Mail von: gaby.petersenbrinkmann(ad)icecoldmail.com

 

Liebe Anna!

Kennst du das, wenn du gerade im Garten deine Wäsche geduldig aufhängst und im nächsten Moment jäh aus deinen Träumen von geputzten Fenstern und gebügelten Oberhemden gerissen wirst?

Ich weiß, was du denkst und du hast Recht: es wird dir schon mal grundsätzlich niemand die Arbeit abnehmen, du Dumpfbacke!

 

An der Straße, direkt hinter deiner Wäscheleine, arbeiten vier Bauarbeiter. Genauer gesagt, einer arbeitet, drei stehen.

Aus dem mitgebrachten Ghettoblaster ertönt Andrea Berg:

„Du hast mich tausendmal belogen.

Du hast mich tausendmal verletzt.

Ich bin mit Dir so hoch geflogen.

Doch der Himmel war besetzt!

Du warst der Wind in meinen Flügeln,

hab so oft mit dir gelacht.

Ich würd es wieder tun.

Mit dir.

Heute Nacht!“

 

„Ick sech di, Manfred, mit de wuld ick ok een Nacht verbring!“, schallt es über die Hecke.

Brutales Männerlachen dringt in mein Ohr.

„Jou du, de würd ick nich vonne Bettkante schubbsn, nä?“

Hahaha. Lachen übertönt Andrea Berg´s Refrain.

„De würd ick mol zeign, wo dä Hammä hängt!“

Hahaha.

Und dann singt – vermutlich – Manfred in tiefstem Bariton, plötzlich in versuchtem Hochdeutsch:

„Ich hab´ dich tausendmol belougän! Ich hab´ dich tausendmol verletzt! Die Teller kamen oft geflougän, ich war  darüber sehr entsetzt!“

Hahaha!

Dann singt sein Kollege:

„Du standst am Brett und warst am Bügäln, das hat mich toutol angemächt! Ich muss das wieder tun…mit dir…heude Nächt!“

„Heuuude Nääächt!“, brüllt der Herrenchor an der Baustelle!

 

Liebe Anna: nein, ich habe mir die vier Gesellen NICHT angesehen. Ich habe mir meine Illusion bewahrt. Ich stellte mir einfach vier riesige, muskulöse Männer mit einer immensen Stimmbegabung vor. Quasi ein Phänomen, ein Wunder, eine totale Überraschung, eine Sensation mitten in Quickborn! Und ich war live dabei…

Der Gesang war ja auch wirklich ziemlich gut, kein schiefer Ton! Die Illusion der zusätzlichen körperlichen Extras bleibt.

So gehab dich wohl und berichte mir über Deine Erlebnisse!

 

Grüßle,

Deine Gaby. J

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Ha!

Also jetzt, wo Du darauf zu sprechen kommst, fällt mir folgende Situation ein: Ich fuhr mit dem Cabriolet auf der mittleren Spur auf der A8 in Richtung Norden und links neben mir, die älteren unter uns werden sich daran erinnern, dass es sich hierbei um die Überholspur handelt (!),  kam ebenfalls ein Cabriolet auf und beharrte eine gefühlte Ewigkeit auf den Platz an meiner Seite.

Im Augenwinkel konnte ich erkennen, dass vier junge Männer darin saßen und mangels Überdachung war ich auch in der Lage zu  verstehen, was sie mir zuriefen, stellte mich sicherheitshalber aber taub. Zum einen wollte ich keine Konservation mit Fremden und dann auch noch bei konstant 160 Sachen und zum anderen war ich mir nicht hundertprozentig sicher, ob sie wirklich mich meinten!

Oder sagt man zu einer Endvierzigerin tatsächlich immer noch „Mädchen“?

„Hey Mädle.“  - Pfiff!  Keine Reaktion meinerseits.

„Guck doch emol rübä.“ – Doppelpfiff! Keine Reaktion meinerseits, jedoch die Erkenntnis: <Aha - Franken!>  Weiterhin stur geradeaus geschaut.

„Ey! Jetz guck halt emol!“ – Haben wir schon mal ein Bier miteinander getrunken, oder wieso duzen die mich? Die haben keine Reaktion verdient.

„Huhu!!!!!“  - Wildes Herumgefuchtel im Wagen neben mir, der sich – sehr zum Verdruss des nachfolgenden Verkehrs – immer noch auf gleicher Höhe wie ich befand und keinen Deut Platz zu machen schien. Keine Reaktion!

„Mensch! Mädle! Jetzat guck halt emol rübä. Des tut doch net weh, wenn de emol gucke dätst. „

- Anweisungen von Fremden, was ich zu tun und zu lassen habe? Soweit kommt’s noch! Keine Reaktion.

Der Wagen neben mir setzte an, um ein kleines Stück an mir vorüber zu ziehen, doch nur kurz und schon ließ er sich wieder auf gleiche Höhe zurückfallen. Sehr zum Missfallen der anderen Verkehrsteilnehmer, die sich nun endlich durch Hupen und vermutlich auch durch Schimpfen bemerkbar machen wollten. Leider verfügten sie nicht, so wie wir, über ein „Oben-ohne-feeling“ und deshalb störte es die Jungens auch gar nicht weiter.

Mir hingegen wurde richtig mulmig zumute und ich überlegte krampfhaft, wie ich diese Situation dahingehend entschärfen konnte, damit zumindest verkehrstechnisch nichts passierte.

Auf die rechte Spur fahren konnte ich nicht. Die war besetzt. Von den Brummis. Und die Fahrer dieser amüsierten sich offensichtlich über dieses Geplänkel am helllichten Nachmittag, denn zwischen den Rufen von links waren laute Huptöne von rechts zu vernehmen.

– Jetzt erst recht, nur geradeaus gucken, keine Regung zeigen. Auf gar keinen Fall!

„Mensch Mädle, jetz gu-uck doch emal rüba!!!“ Der inzwischen etwas aggressiv gewordene Ton  missfiel mir noch mehr. So ist mit mir erst recht nix zu machen. Mit mir nicht! Ich guck halt emol nit! Bin ich doof und hör uf des, was die da von mir verlange? Nö!

Ich schaute weiter geradeaus.

Allerdings war ich jetzt doch kurz davor eine Regung zu zeigen, nur damit endlich Ruhe einkehren sollte und genau in diesem Moment gaben sie auf und zogen endlich mit lautem Motorgeheule von dannen.

Im Nachhinein frage ich mich, für wen oder was die mich hielten und vor allem würde ich jetzt doch wissen wollen, was wäre geschehen, hätte ich reagiert und nach links geschaut, gewinkt oder gar gelächelt? Wären sie nicht erschrocken, dass das vermeintliche Mädle gar kein Mädle mehr war? Hätte diese Erkenntnis in Verbindung mit der empfindlichen Servolenkung ihres Sport-Cabriolets und einem schreckhaften Reißer daran, zu einem Unfall geführt?

Nicht auszudenken …

Von daher bleibe ich stur dabei: Frau sollte niemals hochschauen, wenn derartige Meinungsäußerungen zu vernehmen sind. Ganz gleich, ob sie sicher sein kann, dass sie gemeint ist oder nicht. Einzig und alleine um der Sicherheit willen.

Obwohl ich zugeben muss – so eine kleine Aufmerksamkeit durchaus erbaulich ist.

Für den Selbstwert

– verstehst?

Deine Anna :-)


Anna Dorb - Autorin/Geschichtenerzählerin
www.anna-dorb.de

Liebe Anna, kennst du das,…?

Freitag, den 5. Juli 2013

Liebe Anna, kennst du das,…

 

…wenn dein Supermarkt, den du einmal pro Woche aufsuchst, umbaut?

 

Ein Supermarkt räumt geschätzt mindestens einmal im halben Jahr um. Das bedeutet, das Personal und eigens für den Umbau eingeflogene Experten räumen die Milch, die sich sonst in Reihe fünf auf der rechten Seite befand, in Reihe zwölf auf der linken Seite.

Strategisch ausgeklügelt ist die Sache! Bis du am neuen Milchregal angekommen bist, hast du auf dem Weg dorthin mindestens zehn Produkte in deinen Einkaufswagen gelegt, die du heute nicht kaufen wolltest.

Der Grund dafür ist, dass auch die Damenbinden, das Deo mit Dosierkugel und das Heringsfilet in Tomatensoße neu platziert wurden. Und weil du ja auf dem Weg zur Milch irritiert durch die Gänge läufst, nimmst du schon mal mit, was du statt in Regal sechs in Regal dreizehn vermutet hattest!

 

Studien zufolge wird umgeräumt, damit du und ich orientierungslos durch den Supermarkt irren und weit mehr Zeit in den Hallen des Konsums verbringen.

 

Mein Supermarkt nun baut komplett um!

Das bedeutet Woche für Woche: suche und du wirst vielleicht finden.

 

Der Markt wird modernisiert. Was das im Einzelnen heißt, zähle ich einmal auf.

 

Verständlich für mich ist, dass die Bodenbeläge einmal neu mussten. Die alten Fliesen wiesen teilweise enorm große Löcher auf und so mancher Einkaufswagen blieb darin hängen. Das war übel, wenn ich gerade in Fahrt war und abrupt gestoppt wurde!

Jetzt ziert ein zugegebenermaßen attraktiver Boden in Anthrazit die Einkaufshalle. Zwischen den Kleidungsständern ist ein samtroter Teppich ausgelegt.

Ich weiß inzwischen auch, warum.

Die Laufwege sollen den Kunden zu einem schnelleren Tempo animieren, die Verweilstationen, so wie die Bekleidungsecke, wirken gemütlich und einladend.

 

Ähnlich verhält es sich mit der Obstabteilung.

Die Weichholzfliesen vermitteln den Eindruck, man befände sich draußen…irgendwo auf einem Markt. Die Obststände werden aktuell mit Spiegeln hinter und neben den Stiegen versehen. So wird mir ein immens großes Angebot suggeriert.

Die Lampen über den Ständen leuchten hell und angenehm. Ja, ich befinde mich auf einem Markt in Süditalien, ich spüre die dreißig Grad im Schatten! Zudem wurden neben den Wassermelonen kleine Lavendelstämmchen positioniert, mein Auge sieht es, meine Nase riecht es: ich habe Urlaub und soll schlendern!

 

Im vorderen Bereich, dort wo sich neuerdings die Hygieneabteilung befindet, umschwirren gleich zu Beginn Millionen von Duftpartikeln mein Gehirn und machen gute Laune.

 

Ja, ich denke, wenn der Umbau abgeschlossen ist, wird der Plan aufgehen.

Bis dahin werde ich jedoch unglaublichen Lärm, Stolperfallen wie Sägen, Kabel und Trittleitern ertragen müssen. Bis zum Herbst. Dann soll mein Supermarkt in neuem Glanze erstrahlen.

 

Für mich bedeutet das, dass ich jede Woche ein, zwei Bonbons in Minimalgröße aus den Körbchen der Angestellten herauspicken werde. Die Beruhigungs- und Tröst-Bonbons sind vermutlich mit Baldrian getränkt.

Bestimmt sogar. Denn jedes Mal, wenn ich endlich die Kasse erreiche, könnte ich mich sofort ins Bett legen.

Und wahrscheinlich deshalb hat sich jetzt direkt gegenüber, in einem der Franchisekabinen ein Bettenshop eingenistet.

Gute Nacht, du manipulativer Konsumtempel!

Gute Nacht, Anna!

 

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Liebe Gaby,

 

mit dieser Geschichte hast du eines jener Themen angekratzt, die mich in ziemlicher Regelmäßigkeit auf die Palme bringen,

von wo aus ich die dort vorhandenen Kokosnüsse nach Affenmanier und mit lautem Gebrüll beidhändig herunterschmeiße,

sodass diese mit Effet platzen, und der Inhalt namens „Coco bello“ über den ganzen Weg spritzt.

Bildlich gesehen!

Alternativ ginge auch die Vorstellung, mich in Zwangsjacke geschnürt zu sehen, mit Knebel zum Schweigen gebracht und mit Mitteln ruhiggestellt,

die mengenmäßig aus allen Trostbonbon-Körbchen sämtlicher im Umbau befindlicher Supermarkt-Filialen und Drogerien der gesamten Republik stammen müssen.

So oder so ähnlich würde ich mich aufführen, wäre da nicht meine inzwischen mühevoll selbst antrainierte Fähigkeit, Dinge, die mir nicht lösbar erscheinen,

einfach hinzunehmen, ja, mir sogar Vorteile dadurch zu verschaffen und  im besten Fall die Urheber dieser, unserer Verärgerungen, mit ihren eigenen Waffen zu schlagen.

Manchmal wenigstens.

 

Und das geht so:

Ich lasse mich durch nichts und niemanden mehr beeinflussen. Was ich kaufen möchte, das besorge ich und was ich nicht brauche oder aber selbst

nach mehrfachem Nachdenken darüber, ob ich es nicht doch eines Tages vielleicht für irgendetwas mal brauchen könnte, immer noch nicht mitnehmen möchte,

bleibt schön da stehen wo es ist.

Ich habe mir angewöhnt, nur dann die neu gestalteten Verkaufsräumlichkeiten einer genaueren Begutachtung zu unterziehen, wenn ich Zeit und Lust dazu habe.

Nicht selten entdeckte ich hierbei  schon eine neue, bessere und auch noch kostengünstigere Kosmetikserie, die mir zuvor verborgen geblieben wäre, hätten sie nicht

die Regale anders hingestellt und die Inhalte dieser, einmal zusammengewürfelt und wieder auseinander geklaubt.

Tja, das haben sie dann davon. Weniger Umsatz bei längeren Aufenthalten.

In den kalten Monaten sehr beliebt, um mich aufzuwärmen, und in den Sommermonaten zur willkommenen Erfrischung bestens geeignet, da klimatisiert.

 

Wenn ich keine Zeit zum Shoppen habe, sondern schlichtweg einfach „nur“ einkaufen muss, dann kommen mir außer den benötigten Waren lediglich die

Dinge in den Einkaufskorb die ich nur vergessen hatte aufzuschreiben. Gut, kommt der treusorgende Gatte auch noch mit, dann reicht der Einkaufskorb

in der Regel nicht aus und wir benötigen den pfandpflichtigen Einkaufswagen.

Aber egal.

Sollten wir dann, aufgrund der Umräumwut der Verkaufsstrategen nicht baldigst die Objekte unserer Begierde finden, sind wir einfach so frei und verlassen

uns auf die/den bestens umgeschulte(n) und kompetente(n) Fachfrau/Mann und fragen sie oder ihn frisch und fröhlich gerade heraus, wo denn JETZT der

Mückenschutz oder die preisgünstigeren Oliven versteckt wurden.

 

So wie neulich erst, als wir uns in einen riesengroßen Baumarkt begaben, und mit dem Rollband in das erste Obergeschoss fahren mussten, um ein ganz

bestimmtes Leuchtmittel zu besorgen.

Es war bereits kurz vor Geschäftsschluss und das ist immer ein guter Zeitpunkt, wenn man Personal benötigen sollte, da dieses verständlicherweise eiligst in

den Feierabend kommen, und somit die Kundschaft möglichst rasch loswerden möchte.

Also war es nicht verwunderlich, hier, wo man sonst nur sein eigenes Echo hört, wenn man seinerseits nach einem Mitarbeiter rufen würde, folgende Frage zu vernehmen:

„Kann ich Ihnen helfen?“

„Ja gerne.“ Antwortete mein Mann und streckte dem hochmotivierten Mitarbeiter, der ein T-Shirt mit der Rückenaufschrift <Ich helfe Ihnen gerne> trug, das

mitgebrachte, defekte Lichtröhrchen entgegen. „Hätten Sie hiervon vielleicht ein neues für uns?“

Der Gefragte nahm das zerbrechliche Teil in seine Hände, inspizierte es kurz aber genau und meinte dann kopfschüttelnd aber mit dem zaghaften Brustton der

Überzeugung, die genau davon zeugt, dass er sich NICHT sicher ist:

„Äh, nein. Tut mir leid, aber das haben wir nicht hier. Wir müssten es in einem Elektronik-Fachmarkt bestellen.“

Mit diesen Worten gab er es uns zurück und als ihm zeitgleich mit seiner Antwort ins Bewusstsein drang, dass er jetzt, so kurz vor knapp womöglich noch eine

komplizierte Bestellung tätigen müsste, machte er eiligst eine 180° Kehrtwendung und verließ uns.

 

„Das brauchst Du nicht glauben, was der sagt. Der hat nur einfach keine Ahnung!“

Sprach mein Angetrauter, steuerte sogleich einen Gang weiter auf ein Regal mit weiteren  Leuchtkörpern in allen möglichen Längen und Stärken zu und entnahm

diesem mit einem geschickten Handgriff genau das, wonach wir suchten.

Manchmal habe ich so das Gefühl, dass er, gerade wenn es um technische Dinge geht, über ein natürlich eingebautes Navigationssystem verfügen muss.

Bei ihm würde sich vermutlich jeder Verkaufsstratege seine gebleichten Zähne ausbeißen.

 

Herzlichst Deine Lisa

Kennen Sie das,….wenn der Mann von zuhause aus arbeitet.

Samstag, den 28. April 2012

Kennen Sie das, wenn Ihr Mann bisher, quasi über Jahrzehnte hinweg,  in der Woche weit, weit weg seinen Arbeitsplatz hatte und nun – von heute auf morgen – beschließt, von zuhause aus zu arbeiten?

 

Ich weiß, was Sie denken und Sie haben Recht: Ihre Zukunft ist versaut.

 

Mich betrifft dieses neue Arrangement nicht.

Meine Freundin berichtet mir seit kurzem von dem oben genannten Umstand, in der Woche nicht mehr frei agieren zu können.

Früher war alles besser. Da war der Gatte wenigstens vier volle Tage nicht zugegen.

Jutta erzog ihre Kinder, so wie sie´s für richtig hielt. Sie schickte sie ins Bett, wenn es ihrer Meinung nach angebracht war. Und sie wusch Wäsche. Exakt zu dem Zeitpunkt, den sie für praktikabel befand.

 

Seitdem Joachim homeoffice betreibt, ist alles anders.

 

„Jutta? Kochst du noch einen Kaffee?“ brüllt es die Treppe hinunter.

Jutta krabbelt gerade ums Sofa herum, um den Kauknochen des Dackels zu suchen.

„Ja, Schatz.“ ruft sie hinauf, kocht den Kaffee und wirft dann eine Waschmaschine an.

 

Der Gatte tippt an seinem PC herum.

Dann verstummt die Tastatur. Jutta ahnt Schlimmes.

„Schatzi? MÜSSEN hier morgens schon die Waschmaschine und der Trockner laufen? Das ist so laut!“

„Ja, Hase. Wir haben vier Kinder. Die produzieren schon das eine oder andere schmutzige Höschen, weißt du?“, versucht Jutta zu erläutern.

„Achso!“ erkennt auch der Gatte die Zweckmäßigkeit der Waschaktion.

 

Nachmittags haben zwei der Kinder ihre Freunde zu Besuch. Der Besuch sitzt NICHT schweigsam auf dem Sofa und liest die Tageszeitung. Der Besuch brüllt, rennt, lässt Dinge umfallen. Im Grunde also SPIELT der Besuch.

 

„Schatz? Sind die immer so laut? Wie hältst du das bloß aus?? Ich hätte die alle schon längst hinausgeworfen, weißt du?“

„Gute Idee, Schatz. Suchst du dann bitte nach einem Therapieplatz für unsere Kinder, wenn sie bald keine Freunde mehr haben, vereinsamen und in tiefe Depression versinken?“

„Achso, Schatz…!“ erkennt der Gatte den Sinn von Verabredungen unter Kindern…

 

Gestern stand Jutta am Zaun. Ihr Haar wirr. Die Augen müde.

„Joachim stopft überall im Haus seine Zigaretten! Ich habe bisher…“, sie sieht auf ihre Armbanduhr, „…und es ist erst elf Uhr dreißig…, ich habe bisher den Stubentisch ACHTMAL abgewischt! ACHTMAL! Überall liegen Tabakkrümel herum. ICH DREH DURCH!“

 

Ich habe Jutta eine Auszeit vorgeschlagen. Eine Woche Mosel-Urlaub. Hab´ ich mit Uschi schon zweimal zelebriert. Deren Gatte hatte innerhalb eines Tages( er musste gerade nicht zur Arbeit!) drei Tische mit Tabakstopfutensilien nebst Krümeln belegt. Ich schrieb bereits darüber („Stopfmanie“).

Doch Jutta meint: „Das kann ich nicht verantworten. Keins der Kinder käme vor 20 Uhr ins Bett. Keine der Brotboxen für die Schule wäre gepackt, keine Wäsche gewaschen. Und wenn die Kinder Hunger hätten, würde Joachim sagen: dann sucht euch was aus dem Kühlschrank. Nein, ich werde erst allein in den Urlaub fahren können, wenn die Kinder 18 und aus dem Haus sind!“

 

Ich weiß, was Sie denken, und Sie haben Recht: ich werde Jutta einfach entführen.

Ich werde die Brote schmieren, einen Koffer für sie packen, sie narkotisieren und in mein Auto tragen.

Für die anschließenden zwei Wochen Kroatien werde ich Jutta´s Handy entsorgen und ihr Baldrian über den morgendlichen Tee verabreichen.

Ich weiß, was ich zu tun habe!

Kennen Sie das,…? - Stopfmanie

Samstag, den 22. Januar 2011

Kennen Sie das, wenn Ihr Mann manisch wird?Ich weiß, was Sie denken, und Sie haben recht - Männer neigen eh zu Manien, siehe auch Hobbies wie die Modelleisenbahn oder Extrem-Sport oder…. Zigarettenstopfen!Jaaa, der Mann meiner Freundin beschließt, sich dem Steuerwahn im Tabakdschungel zu entziehen und stopft.Er stopft morgens, er stopft mittags, er stopft nachmittags, abends und sogar nachts.Ich meine, können Sie sich das ungefähr vorstellen, wie das im Einzelnen aussieht?Morgens sitzt er am Esstisch. Verteilt die Plastikunterlage, die Stopfmaschine, den Tabak und die Hülsen auf der Platte.Geschätzte Millionen von Tabakkrümeln zieren Uschi´s geliebten Ausziehtisch.Mir wollen mittags an eben diesem Tisch essen. Uschi verscheucht den Gatten.Wir beseitigen die Krümel.Der Gatte zieht um.An die Theke der Küche. Die Thekenplatte füllt sich - genau! - mit den bereits erwähnten Utensilien Plastikunterlage, Hülsen….Sie wissen schon.  Krümel…exakt!Die Folge der extremen Stopf-Arie ist, dass man/n irgendwann keine Behältnisse mehr für die Unmengen an gestopften Zigaretten vorrätig hat.Der Gatte befüllt zu allererst die letzten leeren Zigarettenschachteln. Dann wandert der Mann durch das Haus und sammelt die leeren Schachteln der Gattin zur Aufbewahrung der selvemade cigarettes.Ist nun der Vorrat an adäquaten Schächtelchen aufgebraucht, wird der Gatte recht kreativ und durchwühlt die Tupperware-Depots der häuslichen Schubladen.Unsagbar vorwurfsvoll, weil nun bereits dem Stopfwahn verfallen, fragt er nach verschwundenen Döschen und Töpfchen.”Du hattest doch mal…!!”"Wo sind denn…??”"Aber ich hatte doch neulich gesehen…!!”Unglaubliche Unruhe macht sich im gesamten Wohnbereich breit. Der stopfende Gatte zeigt bereits sämtliche Symptome einer ausgewachsenen Manie.Weit aufgerissene Augen, Stirnrunzeln, restless legs, geräuschvolles  Herumlaufen, Belästigen der Anwesenden, um seinem Ziel (welches war das nochmal??) näher zu kommen.Ich weiß, was Sie denken, und Sie haben Recht: Uschi sollte den Gatten ausquartieren, solange der Wahn noch anhält. Stopfen kann er auch im Geräteschuppen, und da kann er zur Not die Zigaretten in alten Schraubenboxen verstauen!

Der tiefere Sinn

Freitag, den 15. Oktober 2010

Ziehst Du ernsthaft in Erwägung , Deinem Leben einen tieferen Sinn zu geben?

Okay, gib deinem Leben tieferen Sinn! Doch: erwarte nicht zu viel…

Grundsätzlich erschließt sich  der „tiefere“ Sinn des Lebens primär darin, sich und seinen Mitmenschen ein adäquates Roundabout zu bieten. Gebe, und dir wird gegeben.

Im Einzelnen ergeben sich für mich persönlich  folgende Gedankengänge:  ich melde mich bei Greenpeace und schlage den Robbenschlächtern eins mit dem Knüppel auf den Kopf. Ohne vorherige Betäubung. Eben so, wie sie´s bei diesen niedlichen Robbenbabies auch tun. Romms, immer drauf. Lass sie doch schreien!

Nun, das Hautabziehen würd ich mir direkt jetzt mal ersparen. Obwohl…??!

Nee, das „Fell“ wärmt ja nicht…und keine Milliardärs - Gattin würde sich um einen Robbenschlächterhautmantel schlagen. Selbst gefärbt in royalblau käm das nicht gut, glaub ich…

Vielleicht mit ein paar Swarowski-Steinchen am Revers?  Oder einem mit 32.678  Diamanten besetzten Mini-Handy in der Inside-Handytasche??

Der tiefere Sinn…jaaa…

Eventuell wäre es auch überaus sinnvoll, sich bei einer Städte-Tafel zu melden, ehrenamtlich. Brötchen schmieren, Arme verköstigen. Ich bin ja grad selber arm. Zumindest ansatzweise. Ich kann Existenzängste  und des verzweifelte Haushalten verstehen und würde den langbärtigen Kerlen Butter auf´s Brot schmieren, geben noch von dem bisschen, das mir bleibt. Meine Arbeitskraft, meinen Elan, mein Mitgefühl, mein Engagement. Wenn mich sonst schon keiner haben will…?

Wahrscheinlich würde Otto Schmidt erstaunt blicken, wenn ich ihm das Gürkchen und die Tomate zu Rosetten geschnitten (meiner Kreativität sind ja keine Grenzen gesetzt) auf der Semmel drappieren würde. Und dann würde Otto sich  an die Rosetten und den extra Klecks Mayonaise gewöhnen und sie tagtäglich verlangen. „Frau P., wo sind denn heute die Rosetten?? Wo ist die Tomate in Funkienform? Wo das Gürkchen in Primel-Optik?? Na? Naaa???“. Und er würde mich mit seinen dunklen alkoholisierten Augen und den dazugehörigen buschigen Augenbrauen und den meterbreiten Augenringen ansehen, böööse ansehen,bis mir der Blick das Blut in den Adern gefrieren lassen würde und ich zitternd in Schürze und mit Einweggummihandschuhen hinter der Theke einem Kreislaufkollaps nahe wäre….*japps*…

Das also auch nicht.

Tierheim. Ja. Das wär´s schon eher. Ich mit Brutus auf Spaziergang. Brutus, der 1 Meter 50  Risthöhe messenden deutschen Dogge. Jeder Muskelstrang an der richtigen Stelle, gestählt wie ein blonder arischer Hochleistungssportler aus Adolfs Zeiten. Ich, die Viertel-Jüdin, an seiner Leine. Das gibt Probleme. Schon rein rassistisch gesehen.

Ein Karnickel kreuzt den Waldweg. Er, natürlich schlecht erzogen …oder auch gar nicht, weil er ja lediglich  im Tierheim aufgewachsen ist….stürmt deutsch - doggisch mit Schwung voran. Und ich fliege – ebenfalls mit Schwung – hinterher und an den nächsten Theodor-Storm-Gedächtnis-Stein in Mammutgröße. Inmitten einer Heide-Pflanzung. Dort lande ich  wenigstens weich.

Am nächsten Tag – meine Platzwunde an der Stirn ist versorgt – gebe ich Fiffi und Susi (Dackel und Rehpinscher) ihr Fresschen in Wurstform. Ich habe vergessen, Hundefutter nachzubestellen und greife auf den Kühlschrankinhalt zurück.

Wer spuckt  nach zwei Stunden? Richtig! Fiffi und Susi. Durchfall verseucht das Durchgangsbüro des Tierheims, Besucher wenden sich auf der Stelle ab,  adoptieren doch nicht Kessi und Rico aus der Sammelstation.  Die warten bereits seit 8 Jahren auf ein neues Herrchen oder Frauchen. Seit zwei Jahren treten sie in regelmäßigen Abständen in der WDR- Sendung „Lieb und struppig“ auf  und hoffen auf ein Gnadenheim bei Familie Schmidt aus Obersfelden. Im Grunde. Die verfügen über ein 130qm großes Eigenheim inklusive 2000qm großem Auslauf, ausgeprägte Tierliebe, Hingabe und genügend finanzielle Mittel. Doch nun…, in Anbetracht der zu erwartenden Diarrhöe – Dauererkrankung der beiden Racker….?!?

Das ist es irgendwie auch nicht.

Sie haben Recht: wo ein Wille…, ist auch ein Weg.

 

Bitte zeigen Sie  mir diesen und ich komme zu Ihnen…putze Ihre Fenster, kratze die Terassenplattenfugen aus, pflege Ihr Silber und gebe meinem und Ihrem Leben einen ganz, ganz tiefen Sinn!!

 

Rosige Einladungen

Freitag, den 15. Oktober 2010

 

„Eklatante Einladung zu langweiliger Fete mit Besuchs- und Völlereizwang. Spießige Kleidung mit Perlenkette erbeten. Zudem Klatschambitionen und Preisgabe von Privatsituation vorausgesetzt. Liebe Grüße….“

Fragst du dich, warum dieses offene, aber doch ehrliche Advising nicht als Einladungstext verwendet wird!?!Vielleicht könnte der Einladende noch zusätzlich erwähnen, dass es viererlei Torten, fünferlei Salate und jede Menge Ekel - Sekt geben wird? Allerdings in der Reihenfolge: Brötchen., Salate, Eier, Kaffee, Sekt, Torte. Böööps!

Vor rund 10 Jahren beging ich einen massiven Fehler. Ich ließ mich, um nachbarschaftliche Koalition zu suggerieren, einladen. Zu einem Geburtstag. Morgens.Um neun.Diese Uhrzeit hätte mich eigentlich schon sonartechnisch vorwarnen müssen…, zu damaliger Zeit war mein Betriebssicherheitssystem allerdings –rein alters-/erfahrungsmäßig – noch nicht ausgereift. Leider.

So ging ich also in des Löwen Höhle, nachdem ich zuvor ein für Junggesellen/Innen taugliches Geschenk besorgt hatte (einen Kerzenhalter…bitte merken!).Ich gab brav mein Geschenk ab, schüttelte mir unbekannte Hände und wurde von den dazugehörigen weiblichen Augen argwöhnisch beobachtet, während ICH derweil die Röschentischdecke, Röschenservietten, Röschenserviettenringe und Röschentassen auf dem ausziehbaren UND ausgezogenen Tisch registrierte.Das Faible des Gastgebers war hier nur schwer verkennbar…

Spätestens zu diesem Zeitpunkt HÄTTE ich noch die Kurve kratzen sollen, vielleicht unter dem Vorwand, mir sei urplötzlich übel geworden oder der Hund hätte mir telepathisch mitgeteilt, er müsse mal Gassi gehen…Mittlerweile würde ich nicht einmal mehr vor einem vorgetäuschten Herzinfarkt zurückschrecken. Ängste und Zwänge steigerten zu allen Zeiten darstellende Künste! – Das nur am Rande…-Ach, im Übrigen würde das Argument mit dem Gassi – gehen - wollenden Hund nicht ziehen. Diesem Gastgeber wäre es sogar schnuppe, wenn direkt neben seiner Wurstsemmel ein Chinese seinen Mittags - Hundi verspeisen würde, nachdem er ihm zuvor die Beine bei lebendigem Leibe…., - aber das ist ein anderes Thema.

Zurück zur Rosenserviette.

Ich bröselte und fingerte nun doch leicht nervös an der zarten Papiernen und dem filigranen Serviettenring herum.(Hier fragt man sich : hat man das eigentlich nötig?!)

Mir wurde erklärt, wie erfreut man doch sei, MICH endlich einmal an diesem wohlfeil gedeckten Tisch zu sehen.Einige Höflichkeitsfloskeln und Begrüßungssektgläschen später wurden die Damen dann schon etwas dreister.

Kennst du diese „Warum“ – Fragen, auf die Sie niemals die passende Kurzantwort parat haben?Beispiel: „Warum hattest du /hatten Sie /hatten wir es eigentlich noch nie geschafft, gemeinsam etwas zu unternehmen??“ (Exakt HIER erscheint das wahnsinnig große, erwartungsfrohe und förmlich leuchtende Fragezeichen in den Augen der Gastgeber.)

„Weil ich dich/Sie einfach nur doof finde?!“„Weil ich keinen Bock hatte.“„Weil du/Sie hässlich, langweilig und zum Weglaufen bist/sind?!“„Weil ich mir was Schöneres vorstellen konnte.“„Weil ich bisher spitzenmäßige Ausreden hatte?!“

Nein. Eine DIESER Antworten ist nicht gefallen.

„I-ich weiß es eigentlich auch nicht so genau…, man hat einfach zu viel vor….keine Zeit…wie schade, wir sollten das wirklich öfter machen!!!“

Jep. DAS ist die Antwort, für die man sich später ´ne Kokosnuss ins Gehirn rammen könnte.  :-(

Grünspan macht NICHT kreativ

Freitag, den 15. Oktober 2010

 

 Wie fühlt frau sich , wenn ihr Auto Grünspan ansetzt, die antiken Bodenplatten im Hof ebenso und das Garagentor in Hundehaufenbraun abblättert?

Selbst ist die Frau – raus mit der Wurzelbürste, dem Hochdruckreiniger und der Farbe!

Lieber wär mir grad allerdings, die Garage, die Bodenplatten und den Wagen pyrotechnisch zu bearbeiten und einfach und simpel in die Luft zu sprengen…

Womm!

Wommmmm!

Ach, der Gedanke gefällt mir so! Ich seh´die Flammen, den Rauch…, die kleinen, süßen Funken…..und vor allem die Befriedigung. Huach, da läuft mir ein eiskalter Schauer über den Rücken…., Gänsehaut seh´ ich auf meinen Armen…ich liiiebe das!

 

„Selbst ist die Frau“…das ist so schnell formuliert.

Hol´ dir doch ´nen Pott Farbe. Mach´dich doch einfach ´ran. Andere Frauen wuppen das auch.

Stöhn….

Wo ist der Handwerker, der einfach mir zuliebe all diese Dinge erledigt? Kostenfrei. Mit einem Lächeln. Für eine Schmalzstulle und einen Becher Kaffee?? Ich würd` ihm glatt noch eine Zigarette spendieren. Ehrlich! Und gegebenenfalls noch den Rücken massieren. Allerdings nur 15 Minuten. Ich finde, das reicht. Meine Hände sind ja auch nicht mehr die jüngsten…

Dieser Mann wäre ein Musterexemplar an moralischer Existenz. Ein Beispiel an Ehrenmann.

Muskulös und trotzdem weich. Voller Emotionen und mit einer Präzision am Werk, die die Welt zuvor noch nicht gesehen hat. Die Welt in Stade, versteht sich, am Ende der Welt.

 Da, wo sich Fuchs und Has´…, nunja, ich muss das nicht weiter ausführen, ich spüre Ihre Ignoranz, danke!

„Yes. M´am, sofort, M´am, ich mach das für Sie, M´am, wann soll ich wiederkommen, M´ am?“

 

Ach Gottchen, das wird doch nicht so schwer sein, oder??

Ich gehöre einfach nicht zu diesen Frauen, die sich die lila Latzhose über die Hüften und den prallen Busen quälen, die Gartenhandschuhe in Gelb-Plastik anziehen und in muffelnden Gummistiefeln ihren Mann stehen.

Nicht mehr.

Ich war auch mal so.

Ich will das nicht mehr.

Nie mehr.

Die Weiblichkeit leidet. Extrem. Der Mann glaubt, eine Bäuerin geheiratet zu haben. Er glaubt, ihr einen 2-Tonnen-Schrank auf den Rücken schnallen  und sie 6 Stockwerke in ein Mehrfamilienhaus jagen zu können. Um dann noch ein 5-Gänge-Menü erwarten zu können und die perfekte Liebhaberin im Bett zu bekommen. Fesselsex und Blow-Job  inbegriffen.

Ja!

So ist das!

Und deshalb werde ich am Freitag  den Kombinations-Tippschein vom Lotto ausfüllen und mir nach einem lohnenswerten Gewinn die Ich-Ag von Ronaldo gönnen!  ;-)

 

 

 

 

Scheiß´auf die Gesundheit,oder: das Gebiss an sich ist anfällig und in Folge zu allerlei Unmut anregend

Freitag, den 15. Oktober 2010

Der liebe Gott, Buddha oder Manitou hat mich für ein halbes Jahr meines Lebens so richtig schön im Stich gelassen  und  mein Schutzengel anscheinend Indien auf Selbstfindungskurs mit dem Rucksack erkundet…

 Ich  formuliere meine Wut in einer imaginären Zeitungsannonce!

 

 

„Schulterschluss- berichtende End - Dreißigerin, zahnschmerzerfüllt im Bereich der oberen Molaren 4-6, ungläubig/enttäuscht bzgl. deutscher Schulmedizin, Homöopathie - erprobt und  zynisch - lethargisch sucht: Zahnmediziner mittleren Alters, alternativmedizinisch  aufgeschlossen, debakellos durchgreifend und kommentarlos zahn ziehend, without any psychological Ausbildung und without any scheinhumoristische Ambitionen eines Amateur - Comediens.“

 

Ja.

 

Es ist soweit. Bereits nach rund sechs Monaten ununterbrochener Zahnschmerzen, ca. tausend Packungen Aspirin, Paracetamol, Ibuprofen und einiger homöopathischer, aber wirkungsloser Präparate gebe ich auf.

 

 

ICH GEBE AUF!

 

Und nehme fast alles hin, so wie es ist. Und  genieße den Sarkasmus in seinen schönsten und offensichtlichsten Zügen. Und resümmiere.

 

Punkt eins: EIN schmerzender Zahn KANN – im Laufe der Zeit - zu einer kompletten Irritation des Gesamtgebisses führen.

 

Punkt zwo: EIN Zahn kann nach nur sechs Monaten dazu führen, dass man  überhaupt nicht mehr kauen kann.

 

Aber(nur zur Beruhigung ) – die Schneidezähne können die Funktion der Molaren( Molaren= Backenzähne , man eignet sich im Laufe der Zeit fachsprachliche Kompetenz an.) komplett übernehmen, doch - doch! Man muss es nur den Kaninchen und anderen possierlichen Nagern gleichtun…und mümmelnd Nahrung zu sich nehmen.

 

Oder man nimmt breiartige Nahrung ein. Geht auch. Haferschleim weckt doch auch in Ihnen Kindheitsträume, nicht wahr? Somit macht sich doch wenigstens emotional ein wärmendes Gefühl der Erinnerung breit…..

 

Punkt drei: EIN Zahn kann zwei weitere Zähne –quasi über Nacht – „mitentzünden“.

 

Schickt der Zahnarzt den Patienten  - weil er grad mal nicht weiterweiß, nach rund 9 Wochen Wurzelbehandlung – zum Kieferchirurgen, sind diese Beißerchen ruck - zuck all ihre Wurzelspitzen los…., und der Knochen seine Substanz… 8 Spritzen zur Betäubung, aber nur eine Packung Ibuprofen für die Nacht  - so lernt man Schmerzen kennen!

 

Punkt vier: EIN Zahn sorgt nun für weitere 12 Wochen für den Heilungsschmerz, Heulkrämpfe und beginnende Panikattacken.(Baldrian-Hopfen in Kombination mit Klosterfrau-Melissengeist ist hier zu empfehlen…)

 

Punkt fünf: EIN Zahn auf der entgegengesetzten Seite schmerzt und treibt den Patienten zum nächsten Zahnarzt.

 

Nun gut – DER wird plombiert, saniert und alles registriert, was denn so für den Aufruhr sorgen könnte….

 

Uuuh – knirschen Sie mit den Zähnen?? Und die Plombe da – die steht zu hoch!

 

Jaaa…erwiderst Du…das mag wohl sein…, wieso hat´s vorher keiner gesehen?

 

Punkt sechs: Weisheitszahn, Karies, Behandlung. Nacht: SCHMERZ. Kein Notdienst in Deutschland bei Nacht. Mein Freund Scharlachberg-Meisterbrand liegt mir am Herzen. Schmerz weg, ich besoffen auf dem Sofa.

 

Nächster Tag: ouhja…raus mit ihm! Spritze, Warten, rupf!

 

Punkt sieben: „Da fällt mir ein,..“, spricht der Dentist,“…es könnt´ doch auch die Höhle sein!“ Die Nebenhöhle meint er hier, hofft auf die Umwälzung auf den Kollegen, und schiebt mich vor die Tür.

 

Dies ist ein Reim? Ein Reim ist fein, und angemessen für den siebten Teil, weil: mein Gebiss ist immer noch nicht heil.

 

Herr HNO röngt mich komplett und -  findet nix, das find ich nett. Die Höhlen sind zwar groß, doch im Innern ist nichts los!

 

So wand´ re ich wieder zum Dentisten und wart´ auf seine weit´ ren Listen.

 

Punkt acht: Stade, 16 Uhr, die Sonne strahlt durch´ s Dentistenfenster -  die Schiene sitzt : Michigan-Schiene!!

 

„Was sich in Jahrzehnten (sagt man das einer Dame?? SAGT MAN DAS??!!) verschoben hat, kann sich nicht von heute auf morgen zum Positiven verändern…, haben Sie Geduld! Ihre Kieferfehlstellung ist ein Extremfall.“

 

*Schluck! * …(Mich überrascht doch nix mehr.., ich heuchle Überraschung und nicke erstaunt!)

 

Punkt neun: Fünf weitere Wochen – sie vergingen wie im Fluge! Alles tut weh. Doch Geduld : am Dienstag „schient“ er mich neu – der Zahnmediziner – so schien es mir…., Schiena , da will ich mal hin…schienesisch lernen…Schienakohl essen, alles mit der neuen Schiene. Obwohl  -Schienakohl mit Schiene essen??

 

 

Nun kann es nicht mehr lange dauern…denk ich so bei mir.(Das dachte ich auch schon vor sechs Monaten.)

 

 

Und ich trinke den Rotwein mit Norma.

 

Norma hatte wieder Eiter im Ohr. Schon das achte  Mal in zwei Jahren.

 

Da lieg ich ja noch gut im Schnitt!

 

Und Norma prostet mir zu: “Wohlsein, Gaby! Scheiß´ auf die Gesundheit!“

 

Resümee

Dienstag, den 5. Oktober 2010

Resümee

Oder: ich mit Dutt

Kennen Sie das, wenn Sie grad durch die Autowaschanlage Ihres Supermarktes fahren, Sie “Only the lonely” im Autoradio hören und Ihnen  all´das Übel Ihrer Vergangenheit so richtig bewusst wird?

Ich weiß, was Sie nun denken und Sie haben recht: Poesie und Alltagsleben passen nicht zusammen!

Dennoch verlangt es eben grad dieser Alltag von Zeit zu Zeit und immer wieder, dass man sich freimacht vom Stress, von Zwängen und sprichwörtlich die Seele baumeln lässt. Und sei es in der Autowaschanlage. Ich meine - hier fängt man bzw. frau zwei Fliegen mit einer Klappe. Das Auto wird sauber, dennoch hat man theoretisch Zeit, zu relaxen. Wenn man denn relaxen könnte. So richtig relaxen.

Ich stell´ mir an diesem Punkt immer eine Gaby auf einem luxuriösen Liegestuhl vor, die Beine in der Sonne, den Kopf im Schatten. Sonnenbebrillt, am Strohhalm saugend - es gibt irgendeinen Cocktail. Natürlich weiß ich gar nicht, welche Cocktails grad angesagt sind…,ich kenne mich lediglich mit den drei Cappuccinosorten beim Aldi aus, gegebenenfalls noch mit zwei oder drei Kakaosorten,die ich meinem Sohn zum Frühstück kredenze, aber das tut ja nichts zur Sache.

Im Hintergrund läuft kubanische Musik. Ein leichter Windhauch umschmeichelt meine Haut und spielt mit meinem Haar. Ich denke an nichts. Ich meine, wirklich nichts. Verstehen Sie? An NICHTS. Das einzige Problem, mit dem ich mich beschäftige ist, dass mir die Olive oder die Kirsche oder das Ananasstückchen vom Cocktaillöffelchen rutscht und ich es in meinem Ausschnitt wiederfinden muss. Vielleicht tangiert es mich noch, dass ich mir ein Haarstränchen aus dem Gesicht streifen muss, damit ich das flanierende Touristenvolk am Strand beobachten kann. Die anstrengendste, aber auch widerum nicht gehirnbelastende Beschäftigung wäre es, meine Liege dem langsam wandernden Schatten anzupassen. Aber in meiner Vorstellung hätte ich wahrscheinlich einen Leibeigenen herangepfiffen, der das mit Begeisterung für mich erledigt hätte. Mit einem - wenn auch gestellten - Lächeln auf den Lippen.Im Hintergrund immer noch kubanische Musik.Feucht-warm-erotisch-gelassenmachende und in die Hüfte gehende kubanische Musik.

Aber wir sind ja bei der Vergangenheitsbewältigung. In Stade. In einer Autowaschanlage. Wasser samt Reinigungsmittel prasseln auf mein Auto, die riesigen fluffigen Reinigungsbürsten, die in ihrem Leben auch schonmal blauer als babyblau waren, schrubbeln den Dreck der Vergangenheit vom Lack, der auch nicht mehr der frischeste zu sein scheint. Im Grunde transportabel auf mich, das Ganze. Erschreckend transportabel. Ich sitze also in meinem Auto und lausche den Reinigungsvorgängen der Waschstraße.

Vor meinem inneren Auge rauschen plötzlich, ohne dass ich es auf irgendeine Art und Weise beeinflussen könnte, Bilder aus der Vergangenheit vorbei. Mein Familienleben, mein Ex, mein Kind, meine Eltern. Alles schön bunt und lebendig. Ebenso Zukunftsvisionen. Komisch, mein Ex hat in dieser Vorstellung noch Haare auf dem Kopf. Trotzdem missfällt er mir und ich sehe -wie gesagt: ohne es beeinflussen zu können - wie ich ihm mit der Bratpfanne ganz gewaltig und geräuschvoll eins überbrate. Im ersten Moment zuck´ ich zusammen und schäme mich. Dann aber gefällt mir das Bild… Der Ex läuft vor mir weg, ich immer hinterher.Es ist wie in einem alten Buster Keaton Film. “Dong, dong!”…immer wieder knallt die Bratpfanne auf seinen Kopf.

Dann erscheint mein Haus vor dem oben genannten inneren Auge. Prachtvoll steht es da, in all seinen Farben, von der Sonne in hellem Glanze angestrahlt. Und -womm! - explodiert es! Rauchschwaden steigen gen Himmel…, alles liegt in Schutt und Asche. Ground Zero in Stade. Ich in geringer Ferne davor, die Arme verschränkt, freudig sinnierend…”Der Haushalt hat sich nun wohl erledigt!?”…Jaaaa…., und ebenso die Gartenarbeit. Eine wie von Geisterhand geführte Planierraupe gleitet über meine Beete und hinterlässt von meinem Garten lediglich eine schwarz-braune Fläche. Alles in allem ein befriedigendes Ergebnis. Nun brauch´ich nur noch meinen Ex auszubezahlen…, ob hier nun ein verminderter Wohnwert gilt??

Mein Auto wird mittlerweile getrocknet. Schon wieder seh´ich mich, diesmal als zukünftige Berufswiedereinsteigerin. Ich im Hosenanzug. Nadelstreifen. Aktenordner unterm Arm. Handy in der Hand. Flotten Schrittes und mit einem Dutt am Hinterkopf flitze ich die Bürogänge entlang. Oh, ich bin ja so beliebt, so gefragt, so integer, so wohlinformiert und guuut in meinem Job! Plötzlich fliege ich in hohem Bogen…, über eine Stufe…und knalle mit meinem bedutteten Kopf gegen die nächste Tür. Drinnen ruft jemand: “Herein?!?!”

Es reicht. Das Auto ist sauber. Mein Hirn für die nächste Zeit hoffentlich auch. Beschäftigung rund um die Uhr wird zu meinem obersten Ziel. Nur nicht schwächeln, nur nicht relaxen. Keine Minute Entspannung. Filme im Kopf übersteigen die Belastungskapazität, selbst in Waschstraßen. Oder in Cafe´s. Oder in Saunen. Oder auf dem Sofa.

Ich weiß, was Sie denken, und Sie haben Recht: Mein Auto bleibt schmutzig, ich verzichte auf den Kaffee in der Stadt, schwitze nicht die Gifte aus meinem Körper aus und schlafe im Stehen.

Für weitere Vorschläge wäre ich  dankbar!

 

 

Kennen Sie das: Mist bauen

Montag, den 18. Februar 2008

Kennen Sie das, wenn Sie plötzlich in kürzester Zeit nur noch Mist bauen?

Jahrelang ging alles gut.

Rein objektiv betrachtet waren Sie eine Vorzeigefrau.  Primär  perfekt. Sekundär…okay…aber das wussten ja nur Sie.

Jetzt steigen Sie in Ihr Auto und haben so ein ungutes Gefühl. So eine gespürte Unsicherheit, Stufe 25 von 26.

Irgendetwas ergreift von Ihrer Seele Besitz…., Sie verspüren so ein imaginäres Hineinschleichen einer mysteriösen Kraft…schwarz, blutig, böööse.

Sie verhalten sich so als wären Sie Fahranfänger und blutjunge 18 Jahre alt. Ihr Mann auf dem Beifahrersitz macht Sie nervös. Sie kacheln beinah eine Radfahrerin um, nehmen Anderen die Vorfahrt und können keine Geschwindigkeitsbegrenzungen mehr entziffern.

(Liegt bestimmt an der Brille…oder am Nebel…oder einer noch nicht diagnostizierten Hirn-Funktionsstörung, möglicherweise ist es ein Hirntumor…von der Größe eines Straußenei´s, deshalb immer diese drückenden, tränenauslösenden Kopfschmerzen und das damit verbundene Liderzucken….)

Sie brettern rückwärts in ein parkendes Auto. Sie haben es nicht gesehen. Wahrscheinlich war da vorher auch gar kein Auto…irgendjemand hat es blitzschnell hinter Ihnen geparkt, um ne schönere Stoßstange zu bekommen.

Sie überschreiten die Höchstgeschwindigkeit in einem Kuhdorf und müssen nun Ihren Führerschein abgeben. Vier Wochen Steinzeit. Vier Wochen ans Haus gefesselt. Die Vorräte gehen zuneige. Lediglich Zwieback und Knäckebrot ist noch da.

Aber Ihre Mutter hat es Ihnen ja so beigebracht. Hab´ immer Zwieback und Knäckebrot im Haus. Dann kann dir nichts passieren. Da spricht die Nachkriegsgeneration wahre Worte aus!

Zwieback mit dem Restklecks Erdbeermarmelade, leicht sämig und extrem angegraut, ist  an sich eine vollwertige Mahlzeit. Cerialien und Obst.

Man wird genügsam, wenn man nicht mal eben fünf Tüten voller Leckereien vom Aldi nachhause fahren kann…, keinen Schwarzwaldschinken, keinen Schmelzkäse, keine Cordon-Bleu, keine Hawaii-Schnitzel, keine Mega-Pommes, keine Schokobrötchen, keine Käsesalami…nichts…nichts….NICHTS….

Ich weiß, was Sie denken, und Sie haben Recht: vier Wochen Zwieback und Erdbeermarmelade…und Ihr Gewichtsproblem hat sich erledigt.

Ja, man muss das Positive sehn. Vier Wochen Fußgänger. Aber dann ein 10 Kilo leichterer!

Danke!